Das Zentgericht

Aus dem Jahr 1399 hat sich das erste schriftliche Zeugnis des Zentgerichts erhalten. Damals hat „ein Grun von Seeheim räubig Gäns genommen“. Die Jugenheimer Zentlinde selbst wird 1447 das erste Mal erwähnt, sie dürfte jedoch mindestens 800 Jahre alt sein. Damit zählt sie zu den ältesten Linden Deutschlands und ist damit die älteste belegte Zent im ganzen Herrschaftsgebiet der Grafen von Katzenelnbogen.

Recht und Brauch, alljährlich zusammenzukommen, Gericht zu halten und über die Angelegenheiten der Gemeinschaft zu befinden, war uralte germanische Überlieferung.

Zent kommt von dem lateinischen Centum und bedeutet hundert. Die Zent umfasste nämlich etwa 100 Familien (aus insgesamt 14 Gemeinden).

Verhandelt wurden u. a. Mord, Totschlag, Diebstahl, Betrug mit Maß und Gewicht, Falschmünzerei, Ehebruch und Unzucht, Notzucht, Gotteslästerung, Zauberei und Ketzerei, falsch Zeugnis, Zackern durch gesteinte Straßen, Schlägereien, bei denen Blut floss, Kauf geraubten Gutes, Nichthalten von Gelübden, Brandstiftung. Die Glocken der Jugenheimer Kirche läuteten das Gericht ein.

Die Sitzung war öffentlich, fand einmal im Jahr, meistens im Herbst, statt und musste unter freiem Himmel im Schatten einer Linde abgehalten werden. Der Zentgraf hatte das Recht, bei außerordentlichen Vorfällen eine Sondersitzung einzuberufen. Die Sitzungen fanden nur vormittags statt, denn bei sinkender Sonne durften keine Eide mehr abgenommen werden.

Die Sitzung wurde vom Zentgraf als Vertreter des Landesherren, geleitet. Dazu kamen Landschreiber und Notare. Das eigentliche Urteil sprachen aber die Schöffen. Alle wehrfähigen Männer hatten mit ihren Waffen zu erscheinen, wer unentschuldigt fehlte, wurde hart bestraft. So war der Termin gleichzeitig eine Art Musterungstermin. Frauen waren nicht zugelassen - außer als Angeklagte, Klägerinnen oder Zeuginnen. Bei der Verhandlung durfte sich der Angeklagte einen Fürsprecher wählen, als zusätzliche Rechtsabsicherung überwachten zwei Männer mögliche Formfehler zu Ungunsten des Angeklagten. Das Gericht tagte in Jugenheim bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts.